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Warum ganzheitliche Therapie immer wichtiger wird

  • Lisa Schröpfer
  • 7. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn wir von ganzheitlicher Therapie sprechen, dann meinen wir genau das: das Ganze. Den ganzen Menschen oder das ganze Tier, die gesamte Krankheitsgeschichte, Symptomatik, alle Umwelt- und intrinsische Faktoren - also wirklich alles, was unser Wohlbefinden beeinflussen kann.


Hier setzt auch das biopsychosoziale Modell nach Engel an, das in vielen medizinischen Kontexten zunehmend integriert wird. Randomisierte Studien zeigen, dass eine systematische Berücksichtigung biologischer, psychologischer, sozialer sowie kulturell-spiritueller Faktoren kombiniert zu einem angepassten, individualisierten Behandlungsplan führen kann. Dadurch wird eine gezielte und wirksamere Therapie ermöglicht (Engel GL. 2022).


Eine Krankheit ist halt nicht nur eine Krankheit. Sie ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren. In der Therapie geht es darum, die Ursache oder Ursachen und Zusammenhänge zu finden und diese dem Therapieziel entsprechend zu behandeln.


Doch nicht nur der Patient als Ganzes ist zu betrachten, sondern auch die Vielfalt der Therapiemöglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Dazu zählen selbstverständlich die Schulmedizin mit ihren vielen Fachbereichen genauso wie die sogenannte "Alternativen".


Warum ich "Alternative" in Anführungszeichen setze?


Eine liebe Studienkollegin hat es einmal schön in Worte gefasst: Warum ist die Naturheilkunde eigentlich die "Alternative", wenn sie doch die ursprüngliche Medizin war?


Und eigentlich hat sie Recht. In China wird die traditionelle Medizin gleichermaßen anerkannt und gefördert wie die westliche Schulmedizin. Indogenen Völkern setzen oft mehr Vertauen in die geistliche und natürliche Heilweisen als die moderne Medizin des Westens. Auch bei uns in Deutschland gibt es jahrtausendalte Tradition von weisen Frauen, Heilern und Klosterschwestern, lange bevor die moderne Medizin vor weniger als 300 Jahren aufkam.


Was also "alternativ" ist, ist Ansichtssache. In meinen Augen ist weder die Schulmedizin noch die Naturheilkunde "Alternativen", sondern beide wind wichtige Teile unseres therapeutischen Repertoires.


Aber zurück zum Thema:

Warum wird ganzheitliche Therapie immer wichtiger?


In den letzten Jahren nimmt die Zahl der Patienten mit chronischer Multimorbidität deutlich zu - das heißt, sie leiden gleichzeitig an zwei oder mehr chronischen Erkrankungen, welche die Lebensqualität deutlich einschränkt - ganz abgesehen von den begleitenden Schmerzen, der Belastung und den Kosten die durch Arztbesuche, Therapie, teilweise Arbeitsunfähigkeit etc. anfallen. (Koirala B., Peeler A., et.al. 2023).


Diese Entwicklung überfordert nicht nur das medizinische Personal, sondern wirkt sich auch auf die Lebensqualität der Betroffenen und Angehörigen aus. Dabei muss es gar nicht erst so weit kommen.


Vor allem in Fällen von chronischen Krankheiten wird betont, dass diese Menschen eine ganzheitliche Versorgung brauchen, die konkurrierende Bedürfnisse, Ziele und Lebenskontexte berücksichtigen.


Zudem zeigen zahlreiche klinische Studien zu integrativen Ansätzen - vor allem bei chronischen Schmerzen-, die besagen, dass eine gezielte, ganzheitliche Therapie signifikant die Schmerzen reduzieren können, aber auch die Funktionalität des Körpers und eine höhere Zufriedenheit des Patienten unterstützen können, und das mit zugleich weniger Nebenwirkungen (Garg M., et.al. 2024).


Aber nicht nur die Therapiemethode selber hat einen Einfluss auf das Heilungsverfahren des Patienten. Eine Patientenzentrierte Versorgung stellt das Erleben und die Expertise des Patienten (schließlich kennt sich niemand besser, als jeder selbst) in den Mittelpunkt und sieht ihn als gleichwertiger Partner. Es geht um die Mitbestimmung während der Behandlung. Die Beziehung und das Vertrauen zwischen Patient und Therapeut beeinflusst nicht wenig den Therapieerfolg (Cooper, 2008).


Abschließend lässt sich sagen, dass ganzheitliche Therapie mehr ist als nur ein Konzept – sie ist ein umfassender Ansatz, der Körper, Geist und Seele als untrennbare Einheit betrachtet. In einer Welt, in der chronische Erkrankungen und komplexe Krankheitsbilder zunehmen, ist es unerlässlich, alle relevanten Faktoren einzubeziehen, um optimale Behandlungsergebnisse zu erzielen.


Die Integration von Schulmedizin und bewährten naturheilkundlichen Verfahren eröffnet einen vielfältigen Werkzeugkasten, mit dem individuelle Patientenbedürfnisse bestmöglich erfüllt werden können.


Ganzheitliche Therapie ist damit kein „Alternativweg“, sondern eine zeitgemäße, integrative Haltung in der modernen Medizin.










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